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Populäre Literaturen und MedienDie Schriftenreihe «Populäre Literaturen und Medien», herausgegeben von Ingrid Tomkowiak, veröffentlicht wissenschaftliche Beiträge zu unterhaltenden und informierenden Angeboten gedruckter Literatur wie audiovisueller Medien. Den Schwerpunkt bilden dabei Untersuchungen, die am Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich entstanden sind. Die Reihe erscheint im Programm des Chronos-Verlags: www.chronos-verlag.ch Alle Bände der Publikationsreihe «Populäre Literaturen und Medien» können einzeln im Buchhandel bestellt werden.
Bd. 4: Manuela Kalbermatten: «Von nun an werden wir mitspielen» - Abenteurerinnen in der Phantastischen Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart. Zürich: Chronos (im Druck). ISBN 978-3-0340-1046-7
Von Daniel Defoes Robinson Crusoe bis Karl Mays Old Shatterhand: Aktiv, autonom und souverän agierende literarische Figuren, die raumgreifende Abenteuer erleben, grosse Leistungen vollbringen und dabei Tapferkeit, Grandiosität und Durchsetzungskraft verkörpern, sind bis weit ins 20. Jahrhundert fast ausschliesslich Männer. Als Protagonisten des traditionellen Abenteuerromans drücken sie kraft ihrer grandiosen Eigenschaften die Grössenphantasien gerade auch jugendlicher LeserInnen aus und fungieren trotz aller berechtigten Kritik an Eurozentrismus und männlicher Heroik der Abenteuerliteratur als Identifikationsfiguren. Heute ist das literarische Abenteuer, gerade in seiner Aktualisierung in der Phantastischen Kinder- und Jugendliteratur, nicht länger eine Domäne männlicher Figuren. Ausgehend vom Typ des traditionellen Abenteu(r)ers analysiert die Autorin drei aktuelle populäre Fantasy-Abenteuer und ihre Heldinnen in Bezug auf alte und neue Abenteuerkonzepte. In Joanne K. Rowlings «Harry Potter»-Serie, Philip Pullmans Trilogie «His Dark Materials» und Cornelia Funkes «Tintenwelt»-Büchern treten junge Abenteurerinnen auf, die Eigenschaften ihres traditionellen Vorgängers aufweisen und diese durch neue ergänzen: Kulturell männlich konnotierte Eigenschaften wie Konfliktbereitschaft und Autonomie verbinden sich mit traditionell Frauen zugesprochenen Tugenden wie Teamgeist, Empathie und Beziehungsbereitschaft. Weiter wird deutlich, dass die Abenteurerinnen der Gegenwart sozialkritische und emanzipative Funktionen übernehmen, zugleich aber gesellschaftlich zentrale Ideale und Normen wie Leistungsdenken und Sozialkompetenz bekräftigen. Im Zentrum der Analyse steht der Lern- und Entwicklungsprozess dieser Figuren. Denn diese verfügen zwar über grandiose – darunter auch magische – Talente, sind im Grunde aber «ganz normale» Mädchen und drücken gerade als solche die Botschaft aus, dass jeder Mensch grandios und erfolgreich sein kann, wenn er sich aktiv und ausdauernd darum bemüht. Bd. 3: Helene Mühlestein: Hausfrau, Mutter, Gattin - Geschlechterkonstituierung in Schweizer Ratgeberliteratur, 1945-1970. Zürich: Chronos 2009. 200 S. ISBN 978-3-0340-0982-9
«Von einem ‹Beruf als Gatte und Vater› hat man nie gehört. Der Beruf als ‹Gattin und Mutter› dagegen ist in aller Munde», schrieb Iris von Roten 1958. Damit traf die Schweizer Frauenrechtlerin den Nerv der Zeit, denn Recht und Politik stützten die als traditionell angesehene Rollenverteilung der Geschlechter, die den Mann als Allein ernährer einsetzte und der Frau den Beruf der Hausfrau, Mutter und Gattin zuwies. Der Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegszeit machte die Umsetzung dieses Ideals erstmals für viele möglich. In diesem Kontext erschienen zahlreiche Ratgeber für Frauen auf dem Buchmarkt. Sie zeigen der Hausfrau, wie sie ihren Haushalt zu führen hat, der jungen Mutter, wie sie ihr Kind am besten pflegt, und der Gattin, wie Weiblichkeit gesellschafts konform repräsentiert wird. Meist als Lehrbücher gedacht, sollten sie Frauen, die gerade geheiratet hatten, den Übergang in ihre neuen Arbeitsbereiche erleichtern. Dabei vermittelten sie sich wandelnde professionelle und verhaltensnormierende Strategien zur alltäglichen Aufgabenbewältigung. Die Autorin untersucht Haushalts-, Mutter-Kind- und Schönheitsratgeber, die zwischen 1945 und 1970 in der Schweiz publiziert wurden. Ihre kulturwissenschaftliche Analyse liefert einen Beitrag zur Geschlechtergeschichte der Schweizer Nachkriegszeit, sie zeigt auf, dass die Ratgeber auch als Anleitungen dafür zu lesen sind, wie weibliches Geschlecht korrekt gelebt wird. Dabei erweisen sich diese Publikationen als erstaunlich offen für gesellschaftliche oder wissenschaftliche Neuerungen. Deutlich wird, wie sich im Spannungsfeld von wirtschaftlicher Aufbruchstimmung und politischem Rückgriff auf traditionelle Rollenbilder die Geschlechternormen neu manifestierten. Das Bild von Ratgebern als lediglich passiven Übermittlern «alter» Normen ist zu revidieren: Sie trugen aktiv zur Geschlechterkonstituierung bei. Rezension: Bd. 2: Petra Schrackmann: «An Awfully Big Adventure!» J. M. Barries Peter Pan im medialen Transfer. Zürich: SSI 2009. 218 S. ISBN 978-3-0340-0991-1
Peter Pan hat sein Publikum schon immer in mehr als einem Medium gefunden. Seinen ersten Auftritt hatte er im Roman «The Little White Bird» (1902) des Schottischen Dramatikers und Romanautors James Matthew Barrie (1860–1937). 1904 liess Barrie den schelmischen Jungen durch das erfolgreiche Theaterstück «Peter Pan or The Boy Who Would Not Grow Up» fliegen, 1911 erzählte er die Geschichte noch einmal in Romanform («Peter and Wendy»). Seit damals durfte Peter seine Abenteuer immer wieder in anderen Medien erleben, in Realspielfilmen, Animationsfilmen und Comics. Ist es möglich oder überhaupt wünschenswert, einen literarischen Text eins zu eins in ein anderes Medium zu übertragen? Am Beispiel von sieben ausgewählten Umsetzungen von Barries Werken zeigt die Autorin auf, wie die Geschichte um Peter Pan in anderen Medien neu erzählt wird. Sie hebt dabei wichtige Aspekte der Peter-Pan-Texte hervor und fragt nach Variationen, Übereinstimmungen und Tendenzen der medialen Umsetzungen. Zur Autorin: Petra Schrackmann (* 1979) stammt aus dem Kanton Aargau und hat an der Universität Zürich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Europäische Volksliteratur und Englische Literatur studiert. Sie wohnt in Baden und ist Assistentin im Fach Populäre Kulturen an der Universität Zürich. Rezension: Bd. 1: Aleta-Amirée von Holzen: «A Pirate's Life for Me!» Von The Black Pirate bis Pirates of the Caribbean - Abenteuerkonzepte im Piratenfilm. Zürich: SSI 2007. 336 S. ISBN 978-3-0340-0990-4
Bevor 2003 der erste Teil der Filmtrilogie «Pirates of the Caribbean» («Piraten der Karibik») weltweit sensationelle Erfolge feierte, galt das Genre der Piratenfilme seit Ende der 1950er Jahre als ‹gestorben›. Dennoch wurden immer wieder Piratenfilme gedreht, und das Stichwort ‹Pirat› verhiess weiterhin Abenteuer. Unter Einbezug der Piratenliteratur aus der Zeit vor dem 20. Jahrhundert und der ihr als Kulisse dienenden historischen Piraterie in der Karibik untersucht die Autorin Vorstellungen von Abenteuer und Abenteurern in Hollywood-Piratenfilmen aus den Jahren 1926 bis 2007. Sie bestimmt die Konventionen des Genres und fragt nach Variationen und Aktualisierungen. Zur Autorin: Aleta-Amirée von Holzen (* 1980) ist in der Innerschweiz aufgewachsen und hat an der Universität Zürich Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, Europäische Volksliteratur und Ältere Nordistik studiert. Sie wohnt in Schwyz und ist Assistentin im Fach Populäre Kulturen an der Universität Zürich. Rezensionen Interview Stimmen zum Buch: «Gründlich, fundiert und ausserordentlich kenntnisreich ... eine Einladung, sich auf eine Reise in die Ursprünge des Piratenfilms und seiner wiederkehrenden Motive und Figuren zu begeben. Auch das Lesen über Abenteuer kann ein Abenteuer sein.» «‹A Pirate’s Life for Me!› ist eine insgesamt sehr interessante, gut zu lesende und umfassende Analyse eines in neuer Popularität erblühten Genres ... Engagierten Filmfreunden und Kulturliebhabern ... wärmstens empfohlen.» «... etwas für Leute, die mehr sehen wollen als nur die laufenden Bilder ... absolut empfehlenswert.»
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