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Andere Forschungsprojekte
• Habilitationsprojekte
• Dissertationsprojekte
Habilitationsprojekte
• Gabriela Muri
Habilitationsprojekt in Bearbeitung
Dissertationsprojekte
• Meret Fehlmann (abgeschlossen)
Die Rede vom Matriarchat. Zur Gebrauchsgeschichte eines Arguments
Die Dissertation „Die Rede vom Matriarchat. Zur Gebrauchsgeschichte eines Arguments“ (abgeschlossen 03/2010) von Meret Fehlmann untersucht die Genese des Matriarchatsdiskurses. Das Matriarchat begegnet als Vorstellung gegenwärtig vor allem in esoterischen und/oder feministischen Kreisen. Ihnen gilt das Matriarchat als eine in früheren Zeiten weltweit verbreitete, gewaltfreie und klassenlose Gesellschaft mit einem Kult der Grossen Göttin – als Herrin über den ewigen Kreislauf von Leben und Tod. Diese Gesellschaftsordnung soll in historischen Zeiten durch das Patriarchat abgelöst worden sein.
An der Ausgestaltung dieser Vorstellung waren verschiedene Strömungen beteiligt. Einerseits speiste sich die Matriarchatsvorstellung im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen. Andererseits erhielt sie auch Impulse von sozialen Bewegungen. Beide Einflüsse haben sich gegenseitig befruchtet.
Vorstellungen einer frauenzentrierten Vergangenheit der Menschheit tauchten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. So gilt auf der wissenschaftlichen Seite oft J. J. Bachofen (1815-1887) wegen seines Werks „Das Mutterrecht“ (1862) als „Vater“ des Matriarchats. Etwa zeitgleich entdeckte der vor allem in den angelsächsischen Ländern vertretene kulturelle Evolutionismus das Thema der einstigen Vormacht des weiblichen Geschlechts im religiösen, sozialen und kulturellen Bereich, von wo aus es von der Religionswissenschaft, der Archäologie, von der Volkskunde und der Psychologie aufgegriffen und weitergeformt wurde.
Den sozialen Bewegungen ging es um die erneute Etablierung eines Matriarchats als Prototyp einer anderen, besseren Gesellschaft. Bereits der utopische oder Frühsozialismus im frühen 19. Jahrhundert entwickelte entsprechende Vorstellungen einer Umstellung der Gesellschaft, um den Frauen zu ihren Rechten zu verhelfen und so die Gesellschaft insgesamt genesen zu lassen. Die erste Frauenbewegung bezog sich vor allem in den angelsächsischen Ländern auf das Matriarchat, um ihren Forderungen nach Frauenrechten eine historische Basis und Legitimation zu geben. Im deutschsprachigen Raum beteiligten sich auch die Lebensreform und die völkische Bewegung am Matriarchatsdiskurs, teilweise tendierten diese Bemühungen auf die Umgestaltung der christlichen Religion bzw. auf die Wiedererweckung der heidnischen Vergangenheit Europas.
Das Matriarchat war für gewisse Teile der zweiten Frauenbewegung ein wichtiger Bezugspunkt. In den späten 1970er Jahren kulminierten alle genannten Stränge des Matriarchatsdiskurses im eingangs geschilderten Bild. Im deutschsprachigen Raum fand teilweise eine undifferenzierte Rezeption von Schriften aus dem völkischen Milieu der 1920er bis 1940 Jahre statt, was die Berechtigung der Kritik des gegenwärtigen Matriarchatsdiskurses als eurozent-ristisch oder gar antisemitisch belegt.
Die Analyse zielte darauf ab, die Entstehungs- und Verwendungszusammenhänge der Rede vom Matriarchat unter Berücksichtigung des jeweils zeitgenössischen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Kontextes zu rekonstruieren. Dabei zeigte sich, dass der Bezug auf das „Matriarchat“ seit dem ersten Auftreten im frühen 19. Jahrhundert ideologisch aufgeladen wurde und die Rede vom Matriarchat immer als Ausdruck von Sehnsüchten und/oder Ängsten der jeweiligen RednerInnen fungierte.
• Brigitte Frizzoni (abgeschlossen)
Verhandlungen mit Mordsfrauen. Geschlechterpositionierungen im «Frauenkrimi»
Unter dem Label «Frauenkrimi», «women's mystery», «polar féminin» werden in den 1980er und 1990er Jahren vorübergehend neuere Krimis von Frauen vermarktet. Als «Sisters in Crime» bzw. «Mörderische Schwestern» organisiert, setzen sich die Autorinnen dieser Texte erfolgreich für die Förderung weiblichen Krimischaffens ein und entwerfen Figuren jenseits traditioneller Geschlechterrollen. Ob Kommissarin oder Forensikerin, Privatermittlerin oder Amateurin, Täterin oder Rächerin: allen Protagonistinnen gemeinsam sind Unerschrockenheit, Handlungsfähigkeit und ein Sensorium für Genderfragen. Der «Frauenkrimi» wird so zum Ort der Verhandlung von neuen Geschlechterpositionierungen.
Diese «new wave of crime writing» findet in allen Krimisubgenres, intermedial und international Verbreitung. Die breite öffentliche Aufmerksamkeit und die damit verbundenen, mitunter heftigen Kontroversen, die zum Teil bis heute andauern, sind Gegenstand der Studie. Zur Analyse der textinternen und -externen Verhandlungen werden dreissig international verbreitete angelsächsische Frauenkrimiserien sowie Verlagsunterlagen, Werbeanzeigen, Mailinglisten, Leserbriefe, Rezensionen und Forschungsarbeiten aus dem deutschen und englischen Sprachraum beigezogen.
• Mischa Gallati
Vormundschaftliche Praxis und Eugenik in der Stadt Bern 1920-1950
Wie in andern Ländern auch erfuhren eugenische Argumentationsweisen in der Schweiz in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in psychiatrisch-medizinischen, bevölkerungs- und sozialpolitischen Zusammenhängen einige Verbreitung. Sozialpolitische Praktikerinnen und Praktiker rückten von ökonomischen oder politischen Lösungsansätzen der 'sozialen Frage' zusehends ab und schwenkten auf einen zumindest teilweise eugenisch motivierten Kurs ein. Zeitlich parallel dazu begann sich der Sozialstaat modernen Zuschnitts in seinen Grundzügen auszuformen. Im schweizerischen Kontext entwickelten sich insbesondere kommunale Einrichtungen zu eigentlichen sozialstaatlichen Laboratorien. Verbunden mit ihrem Ausbau auf Gemeindeebene kam es zu verstärkten Professionalisierungsbestrebungen der Berufsfelder, die heute unter dem Begriff der sozialen Arbeit subsumiert werden. Inwiefern nun die Eugenik in diesem und vor allem für diesen Prozess der Institutionalisierung und Professionalisierung eine Rolle spielte, ist Gegenstand dieser Arbeit. Dies wird anhand der Praxis der Stadtberner Vormundschaftsbehörde 1920-1950. Als Quellen dienen vor allem die Protokolle der Vormundschaftskommission, Vormundschaftsberichte der sowie ausgewählte Personendossiers der Sozialen Fürsorge.
Das Vormundschaftswesen spielt für sozialstaatliche Ein- und Ausschlussmechanismen insofern eine bedeutende Rolle, als hier über die zentrale Frage der Mündigkeit, Entscheidungsfreiheit bzw. Urteilsfähigkeit als Grundlage des staatsbürgerlichen Subjekts entschieden wird. Über die Bevormundung erhalten staatliche Organe direkten Zugang zu allen Bereichen der normalerweise unter besonderem staatlichen Schutz stehenden Privatsphäre einer Person: Vermögensverwaltung, berufliche Aktivitäten, Wohnsitznahme, Sexualität.
Die Arbeit liefert einen Beitrag zur Geschichte der Entstehung des sozialstaatlichen Netzes in der Schweiz sowie zu Rezeption und Gebrauch von Eugenik in diesem Berufsfeld im Zeitraum von 1920-1950.
• Michael Hiltbrunner
Das Märchen Blaubart von 1697 bis heute: Ein entwicklungsgeschichtlicher und transmedialer Vergleich in der Erzählforschung
«Barbe-Bleue» (Blaubart) wurde 1697 von Charles Perrault zusammen mit sieben anderen Contes veröffentlicht. Sie wurde seither als Märchen, Roman, Kurzgeschichte, Theaterstück, Oper, Film, Bild, Bildgeschichte, Animation oder Laterna Magica immer wieder neu erzählt. Die Geschichte wurde für ein besseres Verständnis oft dem zeitgenössischen Kontext angepasst oder man versuchte sie zu dekonstruieren und gleichsam erzählerischen Mechanismen auszuhebeln, um eine Veränderung des Verlaufs zu erreichen.
Die Recherchen für die Dissertation startete Michael Hiltbrunner im Januar 2005. Dazu erstellte er eine Datenbank mit allen auffindbaren Versionen. Dies sind etwa 100 wissenschaftliche Publikationen und über 700 Versionen aus Literatur, Bühne, Film, Musik, Bildender Kunst und Bilderzählung. Etwa 150 Filme, Bücher, Tonträger, Comics und Laterna Magica hat er in einer Sammlung zusammengestellt.
Akademische Kontakte zeigten ihm die Notwendigkeit einer vertieften Aufarbeitung der Genealogie von «Blaubart» in den verschiedenen Genres und Medien. Im Zentrum von Michael Hiltbrunners Forschungstätigkeit stehen eine kritisch-historische Arbeitsweise und die Ausarbeitung der Ansätze zu verschiedenen Medien in der Erzählforschung zu einer komparatistisch-transmedialen Erzählanalyse. Ergänzt werden diese durch semiotische und kultursoziologische Ansätze.
Der Korpus umfasst die zusammengestellten Versionen, von denen aber in der Dissertation nur einige Schlüsselversionen genauer besprochen werden. Sie sind nach Möglichkeit aus verschiedenen Medien, Sparten und Epochen und verkörpern je einen markanten inhaltlichen Schwerpunkt, wie die Interpretation als politische Umsturzgeschichte, als Ehe-Problematisierung, als Übertritt in das Irrationale, als psychoanalytischer Blick in die Seelen-Kammer oder als erotische Metapher.
• Aleta-Amirée von Holzen
Maskerade und Identität. Der maskierte Held als Figurentypus populärer Literaturen
Das Dissertationsprojekt widmet sich dem ‹maskierten Helden›, einem Figurentypus populärer Literaturen. Mit dem Begriff sind nicht etwa Helden in wechselnder Verkleidung gemeint, sondern Protagonisten, die sich mit Hilfe einer bestimmten Maske eine zweite Identität schaffen. Dazu gehören so bekannte Gestalten wie wie Zorro, Batman, The Phantom, Spider-Man oder Daredevil, die teilweise seit ihrer Entstehung konstant in der populären Literatur präsent sind.
Aufgrund dieser besonderen Charakterkonstruktion eröffnen die Geschichten um diesen Figurentyp einen fortwährenden Diskurs über Identität. Maskerade ist als solche stets mit dem Thema der Identität verbunden, da sie zugleich der Selbstdefinition dient und das Ideal einer homogenen Identität in Frage stellt und sogar dekonstruieren kann. Umgekehrt greifen Identitätstheorien oft auf die Maske als Metapher zurück. Dieser Komplex von Maskerade und Identität bildet den Schwerpunkt meiner Untersuchungen, denn der maskierte Held fasziniert mit einer Besonderheit: Erst die Maskerade erlaubt ihm, mit seinen meist aussergewöhnlichen Fähigkeiten als Held zu wirken, ‹er selbst› zu sein, während er in seiner zivilen Identität den Untauglichen spielt – die ‚wahre Maske’ trägt er also im alltäglichen Leben. Wie wird Identität in den Texten thematisiert? Welche Funktion hat diese besondere Form der Maskerade? Wie lässt sich das Wesen der Helden in diesem Spannungsfeld von I-dentität und Maskerade, am besten bestimmen? Ist eher von einer Doppelidentität, einer gespaltenen oder einer hybriden Identität auszugehen?
•Petra Schrackmann
Realisierungen des Unmöglichen: Das Fantastische in Verfilmungen von Kinder- und Jugendliteratur seit 2001
Seit einigen Jahren werden vermehrt Verfilmungen fantastischer (nicht nur intentionaler) Kinder- und Jugendromane produziert, die sich u. a. durch die aufwendige Inszenierung von früheren Filmen mit ähnlichen Inhalten unterscheiden. Dabei bieten Übergänge und Entgrenzungen – in literarischen Vorlagen wie Adaptionen – auf mehreren Ebenen zentrale Ansatzpunkte für die Analyse: Die sich stetig weiterentwickelnden filmtechnischen Möglichkeiten erlauben es, dass bestehende Grenzen aufgelöst werden, „Unmögliches“ wird möglich, entgrenzt. Aber auch durch den Medienwechsel bedingen sich oft merkliche inhaltliche Anpassungen bei der filmischen Adaption einer literarischen Vorlage. Fantastische Literatur zeichnet sich zudem auch auf der Textebene durch explizit dargestellte Übergänge aus – zwischen realistischer und fantastischer Ebene, zwischen verschiedenen Welten, zwischen Alltag und fantastischem Abenteuer, zwischen Möglichem und Unmöglichem.
Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der konkreten Umsetzung des Fantastischen in solchen neueren Adaptionen fantastischer Kinder- und Jugendliteratur seit 2001 und den dabei wirkenden Transformationsprozessen. Ausgehend von der Annahme, dass Fantastisches besonders an Übergängen zwischen den dargestellten Welten und Wissens- und Identitätszuständen sowie durch die Thematisierung der Konstruktion von Welt(en) und deren Gesetzmässigkeiten fassbar wird, wird das Fantastische in den literarischen Vorlagen und deren filmischen Adaptionen vergleichend untersucht. Anhand der Auslassungen, Ergänzungen, Umwertungen und Neuinterpretationen, welche die Werke beim Medienwechsel erfahren, werden Tendenzen der neueren Fantasyfilme herausgearbeitet (auch im Vergleich zu früheren Adaptionen ähnlicher/derselben Stoffe) und damit in Zusammenhang stehende sozio-kulturelle Phänomene und Diskurse aufgezeigt.
Untersucht wird das Fantastische in den ausgewählten Filmbeispielen „The Lord of the Rings“ (2001–2003), die „Harry Potter“-Reihe (Filme 1–6, 2001-2009), „Peter Pan“ (2003), „5 Children and It”, „Charlie and the Chocolate Factory“ (2004), die „Narnia“-Reihe (2005, 2008), „Nanny McPhee“ (2005), „Charlotte’s Web “ (2006), „Eragon” (2006), „The Seeker: The Dark is Rising“ (2007), „The Water Horse”, (2007), „The Golden Compass“ (2007), „ Bridge to Terabithia“ (2007), „Stardust” (2007), „The Spiderwick Chronicles” (2008), „The Secret of Moonacre“ (2008), „Inkheart” (2008), „Cirque du Freak: The Vampire’s Assistant” (2009), „Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief” (2010) und „Alice in Wonderland” (2010) sowie in deren literarischen Vorlagen. Der Fokuspunkt liegt dabei auf Momenten von Übergang und Entgrenzung in Bezug auf Welt, Wissen und Identität.
• Katrin Kalt
Visuelle Repräsentation und Konstruktion von Kindheit in der privaten Fotografie
Seit die Praxis des Fotografierens zu einem Massenphänomen wurde, sind Kinder allen Alters ein äusserst beliebtes und bevorzugt gewähltes Sujets vor der fotografischen Linse jeder Familie. Die private Bildproduktion, in den Sozial- und Kulturwissenschaften bislang stark vernachlässigt, hat sich mit der zunehmenden Nutzung der digitalen Fotografie verändert. Die Möglichkeiten der Bildbearbeitung und -gestaltung am eigenen Computer öffnet ein weites Feld, in dem Familien ihr Bild vom «Kindsein» heute vermitteln.
Das Disserationsprojekt interessiert sich für die Funktion fotografischer Bildproduktion und Bildrezeption im privaten und familiären Umfeld und fragt nach kulturellen Mustern im Umgang mit Fotografien von Kindern. In welchen gesellschaftlichen Zusammenhängen werden sie produziert, welche biografischen Grundthemen, Konstanten und/oder Brüche werden darin vermittelt und welche Funktion übernehmen die von den Erwachsenen produzierten (und inszenierten) Fotos in den Erinnerungen der Kinder? Wie wird das (innere) Bild von Kindheit über das Medium Fotografie transportiert? Wie wird Kindheit in den privaten Bildern repräsentiert, konstruiert und vermittelt? Die identitätsstiftenden Merkmale des Mediums familiäre Kinderfotografie stehen im Zentrum der Untersuchung.
Das Projekt arbeitet qualitativ vergleichend, der theoretische Zugang ist interdisziplinär.
• Urs Keller (abgeschlossen)
Hochzeitsreisen: Formen und Inhalte. Eine empirische Studie zur Hochzeitsreise-Praxis in der Schweiz.
Dieses Dissertationsprojekt befasst sich mit Hochzeitsreisen oder Flitterwochen, wie Erstere im Volksmund auch genannt werden. Studien aus den USA und den Niederlanden indizieren starke Zunahmen der Hochzeitsreisen in den letzten Jahrzehnten. Auch in der Schweiz scheinen Hochzeitsreisen sehr populär zu sein. Für dieses Forschungsprojekt wird ein multimethodischer Zugang gewählt. Ansätze aus der Alltagskulturforschung, Geografie und Ökonomie werden integriert, um so zu einem tieferen und ganzheitlichen Verständnis der modernen Hochzeitsreise vorzustossen. Im Zentrum der Studie stehen die Fragen nach Sinn- und Wertzuschreibungen sowie der konkreten Formen und Inhalte der Hochzeitsreisen von Schweizer Brautpaaren. Diese werden mit einem Survey unter heiratswilligen Paaren und der Durchführung qualitativer Interviews bei Paaren, die aus ihren Flitterwochen zurückgekehrt sind, angegangen. Ferner werden Daten zum Hochzeitsreise-Markt aufgenommen. Die Untersuchung hat eine spezielle, biografisch motivierte Tourismusform zum Thema, transzendiert diesen Rahmen aber in einigen Punkten. So erfährt man einiges über die alltägliche Praxis des „über die Ferien Erzählens“. Des weiteren kann die Arbeit auch als Beitrag zur Tourismusforschung im Allgemeinen angesehen werden, denn manche Reiseprinzipien und –verhaltensmuster, die während des Forschens entdeckt wurden und hier beschrieben werden, gelten auch für Reisende, die sich nicht auf Hochzeitsreise befinden. Und nicht zuletzt repräsentiert die Hochzeitsreise einen Spiegel, in dem sich Konturen des gesellschaftlichen Wandels ebenso ablesen lassen wie die Bedeutung der Ehe und der ökonomisierte Konsum von Romantik und Fantasie.
• Cornelia Renggli
Un-/sichtbare Differenz. Bilder von Behinderung und Normalität
Das transdisziplinäre Dissertationsprojekt verfolgt die Ziele, das Thema Behinderung in die Volkskunde und den angloamerikanischen Forschungsansatz der Disability Studies mit dem sozialen Modell von Behinderung in die Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften einzuführen sowie einen Beitrag zur Erforschung von Differenz und der visuellen Kultur in theoretischer, methodologischer und empirischer Hinsicht zu leisten.
Im theoretischen Teil der Arbeit werden auf der Grundlage verschiedener theoretischer Ansätze Antworten auf die Fragen nach dem Entstehen, den Formen, dem Wandel und v.a. der Un-/Sichtbarkeit von Differenz gesucht. Im empirischen Teil werden gesellschaftlich geprägte und die Gesellschaft prägende Bilder, d.h. Darstellungen und Vorstellungen von, Einstellungen zu und Verhaltensweisen gegenüber Behinderung und Normalität erforscht. Konkrete Bilder wie auch Bilder in den Köpfen dienen zur Untersuchung, wie, in welchen Formen und weshalb die Differenz zwischen Behinderung und Normalität entsteht, und welche Folgen sie für die Verhaltensweisen hat. Eingesetzt wird dazu eine eigens entwickelte, auf der System- und Diskurstheorie beruhende Kombination von Bild- und Dokumentenanalysen. Die Bilder spielen deshalb eine zentrale Rolle im Projekt, da im Umgang mit ihnen die Dar-, Vor-, Einstellungen und Verhaltensweisen v.a. durch die Sehweisen miteinander verknüpft werden.
• Nicholas Schaffner
In der Doktorarbeit von Nicholas Schaffner geht es um eine Schulklasse der Weiterbildungsschule in Basel in ihrem letzten Schuljahr. Die Klasse wurde im letzten Schuljahr und in der darauf folgenden Phase des beruflichen Einstiegs beobachtet. Die Idee war, die berufliche Integration einer Gruppe von Jugendlichen aus der Nähe mitzuverfolgen. Dieser für den Einzelnen wichtigen Prozess des Erwachsenwerdens sowie für die gesellschaftliche Verjüngung zentrale Vorgang wirft Licht darauf, die die Position eines Erwachsenen in unserer Gesellschaft entsteht und wie sie mit verschiedenen Ebenen und Bereichen der Gesellschaft verbunden wird.
Dabei wurden die Jugendlichen nicht als passiv erleidende, sondern aktiv Handelnde angesehen, die für ihre Situation rationale Entscheidungen treffen. Auch sollte der kulturpessimistische Ansatz überwunden werden: Nicht problembehaftete oder sonstwie auffällige Jugendliche standen im Vordergrund, sondern “normale” junge Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld. Auch waren nicht die Unterschiede zwischen Erwachsenen und Jugendlichen wichtig wie etwa im Subkulturansatz, sondern kulturelle Phänomene auf Mikroebenen wie Schule, Arbeit oder Freizeit. Die Frage war, wie einzelne Jugendliche als kulturelle und soziale Akteure ihre Integration die Erwachsenenwelt bewältigen und mit bestimmten äusseren Bedingungen umgehen. Was heisst erwachsen werden in Basel zu Beginn des 21. Jahrhunderts?
•Gabriela Schenk
Das Bild der Ärztin in der populären Literatur
Das Thema dieses Dissertationsprojekts von Gabriela Schenk ist vor dem Hintergrund der historischen Entwicklung des Berufs der Ärztin zu sehen. Der zeitliche Rahmen beginnt mit der Zulassung der Frauen zu den (europäischen) Universitäten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und erstreckt sich bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium, insbesondere zum Medizinstudium, sowie die damit zusammenhängenden Probleme in der Ausbildung, Berufsausübung und der gesellschaftlichen Stellung wurden nicht nur in der Fachliteratur und den Medien, sondern auch in belletristischen Werken aufgenommen und diskutiert. Der Gegenstand dieser auf Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse, der Diskursanalyse und des New Historicism gestützten Untersuchung ist der Vergleich von belletristischen Werken mit zeitgenössischen Sachtexten (Fachliteratur, Zeitungsartikel, biographische Texte etc.). Wie wird die Frau im Arztberuf in der Unterhaltungsliteratur dargestellt? Welche Themen bzw. Probleme werden angesprochen? Werden bestimmte Frauentypen bzw. Stereotypen für die Figur der Ärztin bevorzugt verwendet? Ändert sich im Lauf der Zeit das Bild der Ärztin in der Unterhaltungsliteratur und entspricht dies realen Gegebenheiten? Diesen und weiteren Fragen soll im Rahmen dieser Arbeit nachgegangen werden.
• Teresa Tschui (abgeschlossen)
Die Bilderwelt der Volskalender. Ihre Typologie, Funktion und Entwicklung.
Die Arbeit von Teresa Tschui beschäftigt sich mit allen graphischen Elementen in Volkskalendern, wobei ein Schwerpunkt auf die Illustrationen gelegt werden soll, die Nachrichten, nichtliterarische oder literarische Texte optisch untermalen, erklären, verdeutlichen und hinterfragen. Das Text-Bild-Verhältnis ist in diesem Zusammenhang äusserst interessant. Die zeitliche Entwicklung der Bebilderung im Zusammenspiel von technischer Entwicklung, wirtschaftlichen Überlegungen und der Ausprägung des Publikumsgeschmacks soll reflektiert werden und zu der Frage nach Bedeutungen der optischen Elemente im Textmedium Kalender für Illiterate und für ungeübte Leser überleiten. Aufgrund seiner reichen Bebilderung wird vor allem der Appenzeller Kalender im Vergleich zu anderen Deutschschweizer Kalendern im Blickpunkt des Interesses stehen.
• Gisela Unterweger:
Zum Umgang mit Geld. Kulturelle Muster und Deutungen
Das Dissertationsprojekt untersucht geldbezogene Verhaltensweisen, Einstellungen und Aussagen in unterschiedlichen Berufsgruppen der schweizerischen Mittelklasse. Bis jetzt wurden 15 ausführliche Leitfadeninterviews mit Frauen und Männern unterschiedlicher Altersgruppen durchgeführt. Die Befragten arbeiten zu gleichen Teilen in der Finanzwirtschaft, in der Sozialarbeit oder sind geisteswissenschaftliche Doktorand/innen.
Die qualitative Studie untersucht, welche Vorstellungen und Bewertungen, welche kulturellen Deutungsmuster mit dem Erwerb, Gewinn und Verlust von Geld verknüpft werden. Sie möchte in Erfahrung bringen, wie die Interviewten in ihren lebensweltlichen Zusammenhängen ihre Geldpraxen reflektieren, welche symbolischen Gehalte sie mit Geld verknüpfen und wie sie diese kommunizieren, an welche Deutungsangebote sie anknüpfen, welche Positionen sie zu dem ideologisch aufgeladenen Gegenstand beziehen und wie sich diese Positionen in ihren Handlungen (oder eher den Darstellungen ihrer Handlungen) zeigen. Der theoretische Hintergrund der Studie ist unvermeidlicherweise interdisziplinär und berücksichtigt soziologische, philosophische und psychologische Perspektiven, die zu einer kulturwissenschaftlichen Betrachtungsweise vereint werden. Ebenso werden neuere Ergebnisse aus der Ökonomie-Forschung miteinbezogen, die nicht mehr davon ausgehen, dass das Modell des homo oeconomicus für das Verhalten realer Menschen repräsentativ sei.
• Doris Weber
Von hüben nach drüben und zurück. Das Auslandjahr von MittelschülerInnen (Arbeitstitel)
Das Forschungsprojekt befasst sich mit der Frage, inwieweit und durch welche Erfahrungen ein Auslandaufenthalt, ein sogenanntes Austauschjahr, für Jugendliche lebensgeschichtliche Konsequenzen mit sich bringen kann und wie sich diese präsentieren, inwiefern sich also eine Um- oder gar Neuorientierung der Lebensplanung daraus ergibt. Zentraler Aspekt der Studie ist also herauszuarbeiten, inwieweit das Austauschjahr einen biographischen Wendepunkt darstellt (Persönlichkeitsentwicklung, Beziehungsgeflecht mit der eigenen Familie, mit Freunden und Kolleginnen bezüglich einer Theorie der Übergangsmuster), in welchem Ausmass ein Entscheidungsfindungsprozess vor allem auch in beruflicher Hinsicht beeinflusst wird und im späteren
(Berufs-)Leben nachwirkt. Ganz allgemein wird nach Perspektivenwechseln in der Wahrnehmung und Ausgestaltung des Alltags gefragt, nach Beeinflussung und Modifizierung lebensweltlicher Strukturen. Auf einer quantitativen Ebene bilden ehemalige Austauscherinnen und Austauscher aus elf öffentlichen Mittelschulen des Kantons Bern den Informationsgrundstock der Untersuchung. Knapp 200 auswertbare Fragebogen liefern grundsätzliche Informationen zum persönlichen Umfeld der Schülerinnen und Schüler(welche Motive stehen bei einem Entschied für ein Auslandjahr im Vordergrund), zu Gastland, Gastfamilie, Gastschule, Austauschorganisation und Heimatschule. Qualitative Interviews – u.a. mit Personen aus der Pionierzeit der Austauschbewegung in der Schweiz – vermitteln einen vertieften Einblick in die Ausgestaltung eines fremden/anderen Alltags, geben Aufschluss über Anpassungsstrategien sowohl im Ausland als auch nach der oft problembeladenen Rückkehr in die Schweiz. Auch die Perspektive der Anbieterinnen, also der Austauschorganisationen wird mittels Interviews berücksichtigt und soll dazu beitragen, den Untersuchungsgegenstand ganzheitlicher zu beleuchten.
• Claudia Wehner Näff
Transnationale Medienereignisse in Schweizer Volkskalendern des 18. und 19. Jahrhunderts
Claudia Wehner Näff richtet in ihrer Dissertation ihr Augenmerk auf den Kalender als Nachrichtenmedium und insbesondere auf im Kalender aufgegriffene transnationale Medienereignisse. Dies sind Geschehnisse, die über nationale Landesgrenzen hinweg das Interesse der Medien finden und zugleich auf gesellschaftspolitischer Ebene diskutiert werden. Die ausgewählten Ereignisse aus den Bereichen Politik, Wissenschaft, Verbrechen und Naturkatastrophen, darunter zum Beispiel das Erdbeben von Lissabon 1755, die Halsbandaffäre am französischen Hof 1785 oder der Sturm auf die Bastille 1789, werden hinsichtlich ihres Auftretens in den bearbeiteten Kalenderreihen, ihrer sprachlichen und textuellen Gestaltung, Bebilderung, Stellung innerhalb des Kalenders und auf mögliche Quellen untersucht, um die Frage zu beantworten, inwieweit historische Medienereignisse vom Kalendermacher als solche wahrgenommen und entsprechend medial aufbereitet wurden.
• Norbert Wernicke (abgeschlossen)
Kalendergeschichte - Geschichte im Kalender
Literarische Texte werden in der Dissertation von Norbert Wernicke analysiert. Das Dissertationsprojekt hat sich vorgenommen, die Kalender bezüglich dieser 'freien' Texte zu untersuchen, die Frage nach dem Auftreten unterschiedlicher literarischer Genres zu beantworten und die Einbindung in die Mediengeschichte durch Vergleich von Texten mit Vorlagen in anderen Medien (Zeitungen, Schwankbücher, Fabel- und Exemplasammlungen) zu betrachten. Die in Kalendern auftretenden Texte sind dabei äusserst vielseitig und stehen in einem Spannungsfeld zwischen (wahrer) Nachricht und fiktiver Erzählung. Die Gestaltung der Texte, ihre Quellen und Bearbeitungen, ihre Einarbeitung in den Kalenderkontext, ihre Vermittlung an ein zum grossen Teil illiterates Publikum und die Interaktion der Erzählerfigur mit dem Lesepublikum bzw. seine Rechtfertigungsstrategien sollen an Kalendern besonders der Nordostschweiz untersucht werden.
• Annina Wettstein
Arbeitstitel: Ostasiatische Religiosität und Spiritualität am Arbeitsplatz
Religionssoziologinnen und Religionswissenschaftler sprechen von einer Individualisierung und Pluralisierung von Glaubensvorstellungen und Möglichkeiten der Sinnsuche. Im Zeichen der Postmoderne kann die «gelebte» Religion eines Individuums religionsübergreifend sein, fragmentarisch und partiell, begrenzt auf spezifische Bereiche des Alltags. Religiosität, religiöse Identität und religiöses Handeln lösen sich von traditionellen Religionsinstitutionen. Vor diesem Hintergrund kann die seit den 1960er Jahren zunehmende Verbreitung ostasiatischer Religionsformen im europäischen Raum gesehen werden. Derzeit finden diese Formen verstärkt Eingang in Lebens- und Konsumstile. Ostasiatische religiöse oder spirituelle (bzw. als solche vermarktete und inszenierte) Produkte oder Veranstaltungen und damit zusammenhängend die Präsenz einer «buddhistischen» Ästhetik liefern Hinweise dazu.
Grundsätzlich ist zu fragen, ob ostasiatischen Sinnnagebote in westlichen Gesellschaften als «religiös», in einem christlichen Verständnis, empfunden werden oder eher als Lebenshilfe oder Handlungs-prämisse.
Im Rahmen dieses Dissertationsvorhaben interessiert, ob neben der – vermutlich gruppenspezifischen – individuellen Rezeption ostasiatischer Religiosität und Spiritualität eine «Institutionalisierung» stattfindet; ob sich ostasiatische religiöse Angebote, im Sinne einer Normierung auf kollektive Vorstellungen und Handlungen auswirken. Fokussiert wird dabei auf den Arbeitsplatz, einem Ort, auf den in bisherigen sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschungen zu Religiosität kaum Bezug genommen wurde. Finden ostasiatische Formen von Religiosität oder Spiritualität auch Eingang in Unternehmensphilosophien und, über diese verordnet, in den Berufsalltag der Mitarbeitenden? In diese Richtung gehen könnte der 1973 publizierte Ansatz der «buddhistischen Ökonomie» von Ernst Friedrich Schuhmacher, ein britischer Wirtschaftswissenschaftler. Sein Ansatz versteht sich als eine an ethischen und Nachhaltigkeitsprinzipien ausgerichtete Empfehlung für unternehmerisches Handeln.
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